Mahle oder Kibri?

11.05.2013 Bordsteinrenner 6 Kommentare

Eigentlich war mir schon lange klar wie die Sache ausgehen würde. Und schön, dass es jetzt endlich ein für alle mal geklärt werden konnte. Worum geht es? Regelmäßig findet man Modelle eines Auto-Union-Rennwagen, die irgendwie sehr leicht sind. Es handelt sich um den Typ C mit einer Stromlinienkarosserie, mit dem viele Geschwindigkeitsweltrekorde gefahren wurden, wie auch Rennen. Die Modelle besitzen Räder aus Metall und sind trotzdem leichter als die gleichen Modelle von Märklin beispielsweise. Das liegt daran, dass sie aus Magnesium bestehen. Eines der Metalle, die sich für das Druckgussverfahren eignen. Und schon an dieser Stelle hätte man stutzig werden müssen. Aber dazu später mehr.

Und wo ist denn nun das Problem mit diesen Autos? Sie haben keine Marke, keine Kennzeichnung, nichts was auf den Hersteller hinweist. Immer wieder wurde angedeutet, dass die Autos wohl von Mahle hergestellt wurden. Aber selbst bei Mahle, noch heute ein bedeutender Automobilzulieferer, war man sich nicht ganz sicher. Denn eine andere Fraktion nennt immer wieder Kibri als Hersteller. Woher diese Annahme kommt, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Aber selbst in Standardwerken wie in dem Buch „The Golden Book of Model Cars“ von Paolo Rampini von 1995, findet man für den leichten Renner die Bezeichnung Kibri. Ja und auch Dr. Edward Force bezeichnete sein Exemplar in seinem Buch „Classic Miniature Vehicles MADE IN GERMANY“ von 1990 als Kibri. Und so werden die Autos immer wieder auch als Modelle von Kibri angeboten. Um herauszufinden wer denn nun den rechtmäßigen Anspruch hat, als Hersteller dieser außergewöhnlichen Modelle zu gelten, startete ich eine Internetrecherche. Denn manchmal hat schon jemand anderes herausgefunden in welcher Ecke die Wahrheit zu finden ist. Wie sich erst später herausstellte war das auch in diesem Falle so. Aber auch dazu später mehr.

Zunächst fand ich ein Foto mit einem silberfarbenen Wagen auf einer Verpackung, die original zu sein schien. Leider war diese nur von einer Seite zu sehen. Und dort war lediglich zu lesen: AUTO UNION. Ach ja. Gut, das wußte ich ja schon irgendwie. Schließlich befinden sich über dem Kühler des Autos die vier Ringe der Auto-Union. Das Foto wurde für eine Versteigerung des Kölner Auktionshauses Anticomondo gemacht. Und das Bild trug die Bezeichnung „Kolben Mahle Stuttgart, Auto Union racing car ma“. Na da war ja wieder der Hinweis auf die Firma Mahle. Jetzt stellte sich mir die Frage, ob vielleicht irgend etwas an der Verpackung darauf schließen ließ, dass das Auto von Mahle hergestellt wurde oder ob das nur eine Annahme des Einreichers oder des Auktionators war. Das könnte wohl nur der jetzige Besitzer aufklären. Ein Anruf beim Auktionshaus brachte Ernüchterung. Es ließ sich nicht mehr feststellen, wer das Auto ersteigert hatte. Die Auktion war schon zu lange her.

Dann tat sich sehr lange nichts. Bis ich eines Tages auf einem Auktionsportal fündig wurde. Das Auktionshaus Sigalas in Hildritzhausen in Baden-Würtemberg versteigerte am 02. Mai 2006  das betreffende Modell. Wieder ein silberfarbenes Exemplar mit Verpackung. Aber diesesmal klebte so eine Art Beipackzettel auf dem Deckel. Darauf war folgendes zu lesen:

„Der AUTO-UNION-Rennwagen aus Magnesium-Spritzguß hergestellt, ist eine Spezialität der MAHLE KG Stuttgart-Bad Cannstatt (früher Elektrometall GmbH). Erstmals wurde dieses Verfahren 1925 nur durch uns als einmalig auf der Welt praktiziert. MAHLE KOMM.GES Stuttgart-Bad Cannstatt“

Anmerkung: Eigentlich hieß die Firma früher Elektronmetall und nicht wie im Text Elektrometall. Vermutlich ein Druckfehler.

Seitlich am Karton kann man übrigens noch den gleichen Schriftzug „AUTO UNION“ erkennen wie auf der Verpackung aus Köln. Ich halte das für ausreichend beweiskräftig, dass Mahle der Hersteller dieser Autos ist. Es ist eben so, dass diese Technologie nicht jede Firma anwenden konnte. Bei Mahle wurden Motorenteile aus Magnesium hergestellt, vermutlich sogar für die Auto-Union-Rennwagen. Da ist ein solches Modell aus Magnesium das perfekte und passende Werbegeschenk. Und natürlich könnte es sein, dass die Firma Kibri bei Mahle Autos geordert hat. Und selbst wenn Kibri diese dann als „Kibri“ verkauft hätte, bleiben sie doch Produkt von Mahle. Kibri hatte gar nicht die Möglichkeiten diese Technologie selber anzuwenden. Das war absolut High-Tech in jener Zeit. Und das ist eben genau der Punkt an dem jeder stutzig werden müßte, und auch ohne den gefundenen Beweis zu der Schlußfolgerung kommen müßte, dass die Autos von Mahle produziert wurden.

Nachdem ich überglücklich dieses Foto gefunden hatte, musste ich feststellen, dass Christof Baumann in einem Artikel „Auto-Union-Silberpfeile aus Metallspritzguss“ in „Altes Spielzeug“ vom 15. Oktober 2005 schon zu dem gleichen Schluss kam. Und darüber hinaus konnte er eine mögliche verwandschaftliche Beziehung zu den Silberpfeilen von Märklin herstellen. Den Artikel kann ich nur empfehlen und ich werde in einem weiteren Artikel nochmals auf diesen von Christof Baumann zurückkommen. Trotzdem glaube ich, dass man noch öfter auch über diese Leichtgewichte schreiben muss, um klarzustellen wer deren Hersteller war.

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  • ANDRE

    22.02.2014, 18:55 Uhr

    Ich besitze in einem außergewöhnlichen Zustand, das Modell Auto-Union Geld und die Ursprungsschachtel ohne Etikett. Elektrometall Canstatt ist Mahle Kg (www.deutsches-museum.de) .La Frage gut geworden, die sich heute stellt, ist diese Miniatur warum als Industrielle des Autos hergestellt zu haben und in welcher Menge für das verschiedene Kolorit? Nähe zu Auto-Union? In der Magnesiumseinspritzung für ein Werbegeschenk den Kunden oder dem Personal machen zu können? Diversifikation in der Produktion von Autominiaturen? Ich bin französisch und er ist für mich schwer, diese Suchen(Forschungen) zu erfüllen, weil ich über deutsche Sprache nicht spreche…

    • Michael Spengler

      24.02.2014, 20:25 Uhr

      Lieber Andre,

      wenn ich Deine Fragen richtig verstehe, dann vermutest Du, dass Mahle die Autos als Werbegeschenk produzierte. Das ist jedenfalls eine These die plausibel wäre. Ich habe das auch immer vermutet. Das Problem mit der Vermutung ist, dass wir sie nicht nachprüfen können. Allerdings ist es sehr wahrscheinlich so, denn auf eine Spielzeugverpackung würde man wohl kaum auf die technologischen Besonderheiten bei der Herstellung des Autos eingehen. Es sei denn das Auto wäre ein Werbegeschenk. Magnesiumteile für Motoren wurde besonders im Rennsport verwendet und waren damals absolute Spitzentechnologie. Und Auto-Union verwendete solche Teile ebenfalls.
      Bei Mahle weiß heute niemand mehr etwas über die Produktion dieser Miniaturmodelle. Es wird erzählt, dass Mahle die Autos Weihnachten 1946 an die Belegschaft für deren Kinder ausgegeben hat. Die Autos gab es in Silber, Blau, Rot, Grün und Gelb. Außer den unterschiedlichen Farben, gibt es auch mindestens vier verschiedene Gußformen, bei denen sich die Form des Kühlers unterscheidet.

  • Dr. Andreas Friz-Töpfer

    07.09.2015, 11:09 Uhr

    Mahle hat wohl nicht nur mit selbst hergestellten Modellautos geworben. Auch Märklin hat vor WK 2 mind. zwei Werbemodelle für die Fa. Mahle bzw. Elektronmetall fabriziert. Es handelt sich um die geschlossenen Rennwagen Mercedes (5521/1) und eben den o.a. Autounion Rennwagen (5521/2). Beide wurden mit einem Bodenblech, auf dem Mahle seine Produkte in Prägeschrift anpries, hergestellt. Die Renner haben hinten jeweils ein auffälliges Loch, in das ein länglicher Gegenstand passen würde. Kennen Sie diese Modelle? Wissen Sie, wozu das Loch diente? War da evtl. ein Bleistiftspitzer eingebaut? Über Ihre Antwort würde ich mich freuen.

    • Michael Spengler

      07.09.2015, 11:18 Uhr

      Sehr geehrter Herr Dr. Friz-Töpfer,

      ja diese Modelle sind mir bekannt. Und nicht alle haben dieses auffällige Loch im Heck. In die Autos mit Loch konnte man einen Feuerwerkskörper stecken und das Auto so in ein Raketenauto verwandeln. Mehr dazu kann man auch in einem Artikel von Christof Baumann in der Zeitschrift „Altes Spiezeug“ 2005 Nr. 5 erfahren.

  • Andreas Lauer

    25.04.2016, 13:50 Uhr

    Hallo, ich besitze ebenfalls einen solchen Renner. Die Originalfarbe Rot ist noch zu etwa 60 Prozent vorhanden. Ich hatte auch immer Kibri gehört aber Ihre Recherchen klingen schlüssig.
    Gibt es irgendwelche Schätzungen über den Wert dieser Modelle?
    Meines stammt aus dem Besitz meines Vaters (Jg. 1935), der es wohl als Kind/Jugendlicher bekommen und damit auch gespielt hat. Leider lässt sich mehr über die Herkunft nicht herausfinden, da mein Vater bereits 1970 verstorben ist. Möglicherweise hat er es von seinem Vater bekommen, der es selbst vielleicht alss Werbegeschenk, wie sie vermuten, geschenkt bekam.
    Grüße, Andreas Lauer, Rheingau

    • Michael Spengler

      25.04.2016, 14:21 Uhr

      Hallo Herr Lauer,

      den Wert dieser Leichtgewichte kann man durch die Beobachtung von Online-Auktionen einschätzen. Aus meiner Sicht ist ein angemessener Preis zwischen 20 und 40 Euro zu finden. Es kommt immer auch auf den Zustand an. Unbespielte Exemplare in der Originalverpackung erzielen mit Sicherheit sehr viel höhere Preise. Aber sicher wollen Sie sich ja nicht von diesem Familienerbstück trennen wollen. Den ideellen Wert kann man nur schlecht in Euro ausdrücken.